Endlich wieder Judenfurz! – aus Heft 2/2017

Bald sind wir frei! Bald dürfen wir reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist. Denn die Politik macht Schluss mit der unsäglichen Political Correctness. »Die Political Correctness ist überzogen worden«, erklärte Ursula von der Leyen vor ein paar Monaten, und Winfried Kretschmann assistierte: »Wir dürfen es mit der Political Correctness nicht übertreiben!« Beinahe alle stimmten zu, schließlich stellte auch Adabei Sigmar Gabriel fest, es gebe »zu viel Political Correctness«. Es war also nur eine Frage der Zeit, und am 1. März soll es nun tatsächlich so weit sein: Der Bundestag hebt die Political Correctness offiziell auf.

Die staatlichen Redeverbote gehören damit bald der Vergangenheit an, die eisernen Maulkörbe wandern zurück in die Waffenkeller der Polizei, die Pranger auf den Marktplätzen werden abgebaut, und politisch Unkorrekte wie Thilo Sarrazin und Heinz Buschkowsky, die laut aussprechen, dass Kanaken genetischer Müll sind und in der Neuköllner Sonnenallee immer in der zweiten Reihe parken, müssen nun nicht mehr zur Strafe von einer Talkshow in die nächste rennen.

Psychologin Dr. Sigrid Freud hat viele Menschen, die unter Political Correctness zu leiden hatten, betreut und sich ein umfassendes Bild der Krankheit verschafft. »Im Grunde handelt es sich um einen klassischen Kampf zwischen Über-Ich und animalischem Es«, erklärt sie. »Wenn beispielsweise jemand Schwarze nicht mag, fühlt er sich selbstverständlich eingeschränkt, wenn er ›Starkpigmentierter‹ sagen muss statt ›Scheißneger‹. Die Diskrepanz zwischen dem, was vom Über-Ich empfohlen wird, um jemanden nicht zu diskriminieren, und dem, was das Es sagen möchte, um jemanden zu diskriminieren, führt zu einem inneren Konflikt. Bei Menschen mit schwachem Ich baut sich da Frust auf.

Nehmen wir ein Beispiel aus meiner Praxis, sagen wir einen Spiegel-Redakteur. Um seine Anonymität zu wahren, nennen wir ihn Jan Gemüsestreichler. Sein Über-Ich ist liberal geprägt, sein Es aber wünscht sich die Frau an den Herd und den Hartzi tot in der Gosse liegend. Das zwischen den beiden befindliche Ich ist zu schwach, um einen Ausgleich zu finden, und so stattet es sich mit einer konservativen Attitüde aus, die es verzweifelt als Originalität verkaufen möchte, was aber nicht funktioniert und nur dazu führt, dass sich das Ich schließlich völlig dem analen Charakter des Es hingibt. – Erbarmungswürdig, so etwas ansehen zu müssen. Mit der Aufhebung der Politischen Korrektheit aber kann solchen Menschen tatsächlich geholfen werden.«

Der zu erwartende Erfolg könnte in diesen konkreten Fällen allerdings auch Nachteile haben. Zwar verschwinde der immense Leidensdruck, so Dr. Freud, manchen Kolumnenschreiberlingen drohe aber mit dem Wegfall politisch korrekter Sprache auch die Sinnhaftigkeit ihres Daseins und ihre gesamte Arbeitsgrundlage wegzubrechen. Ganze Zeitungsseiten müssen zukünftig leer bleiben, wenn an gendergerechten Soziologie-Fakultäten plötzlich statt »ProfessorX« wieder »Herr Professor« und »Frau Sekretärin« gesagt werde.

Vor allem die Anhänger der AfD leiden einer Studie zufolge stark unter den krassen Sprachverboten, die dazu führen, dass man von dieser Partei kaum etwas hört und liest. Ohne die Sprachtabus könnten auch AfD-Anhänger endlich als Nazis und Faschisten bezeichnet werden. Das Wort »Rechtspopulismus« nämlich, so ein hochrangiger Funktionär, sei verniedlichend und hemme den Erfolg der braunen Bewegung.

In den USA, wo die Political Correctness schon seit den 80er-Jahren stark bekämpft wird, stellt »the movement« nun erstmals einen offen sexistischen Präsidenten. »Trump schämt sich nicht, im Gegensatz zu vielen anderen, für seine sexistischen und rassistischen Neigungen«, erklärt Dr. Freud, »sondern spricht sie offen aus. Damit gibt er Betroffenen Kraft und Zuversicht.« Unter diesen Umständen müsse auch endlich die Frage gestellt werden dürfen, ob denn das in Deutschland herrschende Verbot der Holocaustleugnung wirklich noch zeitgemäß ist.

Um zu ermessen, wie katastrophal sich die Sprechtabus auswirkten, genügt ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Beispiel Günther Oettinger: Der EU-Kommissar sprach im Namen Europas und seiner Bürger, als er die Mitglieder einer chinesischen Delegation als Schlitzaugen bezeichnete, die Folge aber ist: Oettinger wird nie wieder in einem chinesischen Restaurant etwas essen können, das nicht mit einer Spezialsoße verfeinert wurde.

Ein weiteres Beispiel dafür, wie man abgestraft wurde, wenn man etwas aussprach, das der Mehrheit nicht gefiel, ist Renate Künast. Als sie im Juli 2016 fragte, wieso der Attentäter aus dem Regionalzug bei Würzburg nicht festgenommen, sondern hingerichtet wurde, brach ein Sturm der Entrüstung los, mit dem das Terroristenflittchen (das Wort ist ab 1. März wieder erlaubt) nicht gerechnet hatte. Dass mit derlei Hetzjagden gegen Andersdenkende nun endlich Schluss ist, hoffen vor allem die Grünen, die neben Veggieday, Sexdiensten auf Kosten der Krankenkassen, der Pflicht-Homo-Ehe und der ewigen Verdammnis für alle, die freitags Fleisch essen, noch viele weitere Ideen haben, die als politisch nicht korrekt gelten.

Nicht nur Politiker profitieren von der Aufhebung der Political Correctness. Torsten Tröglitz protestierte 2016 auf dem Dresdner Neumarkt während der Feierlichkeiten zur Deutschen Einheit gegen Zensur und Meinungsdiktatur. Mit Rufen wie »Merkel, du Fotze!«, »Du bist eine Fotze!« und »Fotze, ey!« versuchte er, die Kanzlerin von den Vorzügen der Meinungsfreiheit zu überzeugen, doch die Sprachpolizei war sofort zur Stelle und bestrafte Tröglitz, indem sie ihm kein offizielles Rederecht auf der Bühne einräumte.

»Das war ganz klar Zensur!«, schimpft Tröglitz noch Monate später, auch wenn die Regierung ihren Fehler mittlerweile eingeräumt und Tröglitz als Redner zur Wahl des Bundespräsidenten in den Reichstag eingeladen hat. Die Rede hat er bereits auswendig gelernt: »Sehr geehrte Bundesfotze Merkel, sehr geehrter Bundespisskackus Gauck, liebe Behindispacken und Behindispackinnen!

Das deutsche Volk bin ich, ihr Arschwichser. Ihr verarscht uns doch, ey! Ich lass mich nicht länger von euch verarschen. Alle verarscht ihr uns. Volksverräter seid ihr doch! Nichts als Volksverräter, ey! Merkel, du Fotze! Ey, Volksverräter, ey! Fotze. Fotze. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, ihr Spastenfotzen!«

Ein großer Sieg für die Meinungsvielfalt. Und bald schon wird die größte Sehnsucht der Opfer der Politischen Korrektheit in Erfüllung gehen: Beim Krämer endlich wieder Zigeunerschnitzel, Negerkuss und Judenfürze bestellen zu können, ohne von Gutmenschen schräg angesehen zu werden.

Dem bayerischen Heimatminister Markus Söder dürfte diese Entwicklung gefallen, auch er geißelte bereits die »Ober-Political-Correctness«. Dass sich Söder mehr dabei gedacht hat, als dass er damit ins Fernsehen kommt, sollte aber bezweifelt werden. Denn das Ende der Political Correctness könnte für einen inzestuös entstellten Drecksfranken ordentlich nach hinten losgehen.

Gregor Füller

 

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