Sie könnte sogar Trecker fahren – aus Heft 2/2017

treckerfahrerinWir sollten jetzt schon dem Präsidenten danken – für seinen erlesenen Frauengeschmack. Die Frau mit dem Namen wie eine hauchdünne Slipeinlage wird uns bezaubern. Sie wird dereinst mit Evita, Jiang Qing, Elena Ceaușescu und Margot Honecker in einem Atemzug genannt werden, Frauen, die an der Seite eines charismatischen Mannes erblühten, um zu duften. Vielleicht war die eine oder andere in dieser Ahnenreihe etwas zu ambitioniert. Melania wird die Latte nicht höher als nötig hängen, dafür ist sie zu klug. Noch gilt sie den Amerikanern als Ostblockgöre mit Vorliebe für Kartoffelspeisen und mit einem zerrütteten Verhältnis zu Gott. Aber das wird sich ändern.

Melania gibt stets ihr Bestes. Wie damals, als es ihr gelang, mit fast Dreißig – schon verschlissen für eine Hostessenkarriere, kurz vor dem Klimakterium – schaffte sie es noch, das Herz des knuffigen Donald zu entflammen. Ihre Freundinnen, huschige Flittchen aus dem Pool der unterbeschäftigten Models, machten ihr keine Hoffnung, je auf einer dieser »Sugardaddys come together parties« noch einen Sponsor abzugreifen. Schon begann sie, lustlos hinter einem Bartresen zu jobben, um »im Gastrosektor Fuß zu fassen«. Doch eines wollte Melania auf gar keinen Fall – so einen fetten Hintern kriegen wie ihre Mutter. Also gab sie alles, allerdings nie für Geld. Und hätte sie nicht so früh aufstehen müssen, wäre sie heute eine Designerin oder Architektin von Rang und Namen, und ihr Mann hätte ihr nicht einen Uniabschluss kaufen müssen.

Doch Donald braucht keine Architektin, sondern Betreuung. Unter der Herrschaft der Kommunisten aufgewachsen, hat sie die Disziplin, die Opferbereitschaft und den Sinn fürs Praktische erworben. Um aber eine Zeitungsente gleich richtig zu stellen: Dass sie beim Schienenbau für die Bahn nach Zagreb im Hungerwinter 1982 ihren rechten Mittelfinger verloren hat, ist ein russisches Gerücht: Er ist noch dran. So kommt es, dass sie sich heute nicht zu schade ist, im Trump-Tower das Treppenhaus zu feudeln (sie ist wahrscheinlich die einzige in New York, die genau weiß, wie viele Etagen der hat) und zwischendurch für Donald die Kinder zu kriegen. Journalisten, die Donald nahestehen, verriet sie ein süßes Geheimnis: Zur Not könnte sie sogar Trecker fahren.

Sie stammt aus einem Nest in Slowenien. Der Vater war ein tüchtiger Autoschieber, der oft nur um Haaresbreite überlebte, die Mama eine tüchtige Textilarbeiterin, mehrmals mit Foto an der Bestentafel im Wettbewerb. Heute leben die beiden in den Kellerräumen des Trump-Towers, natürlich mietfrei, weil Papa den Hof fegt. Melania wurde auf der Straße entdeckt, als sie zufällig an einer Hauswand lehnte und das Gespräch mit netten Herren suchte. Eine Modelkarriere wurde ihr versprochen, und sie nutzte diese Chance, um fremde Kulturen kennenzulernen. In Amerika war sie sich für nichts zu schade. Sie lernte in kürzester Zeit in zwölf Sprachen die wichtigsten Verben für die Berufsausübung. Aber vor allem beherrscht sie das sinnliche Schweigen wie keine andere. In Interviews hält sie sich an Zitate ihrer Vorgängerinnen, um das amerikanische Volk nicht zu überfordern.

Sie ist ein rotes Tuch für meckernde linksliberale Emanzen. Die könnten sich eine schöne Scheibe Silikon von ihr abschneiden. Aber welche von diesen Flintenweibern im Weltkrieg der Geschlechter würde es ertragen, wenn ihr Gatte anderen Ladys auf einer Party in den Schritt fast? Keine! (Ja, welcher von denen würde jemals in den Schritt gefasst werden?) All denen, die die First Lady als willenlosen Kleiderständer beschreiben, fehlt eins – Humor! Den hat Melania von Hause aus. »Einmal«, erzählte Melania ihrer Visagistin, »hatten wir wochenlang keine Grützwurst im Haus« (die einzige Wurst, die in Jugoslawien zugelassen war), »da haben wir eben den ganzen Tag über gelacht, das ging auch.« Folgerichtig bewundert sie am Präsidenten neben seinen cholerischen Ausbrüchen und der Fähigkeit, Leute um ihr Geld zu betrügen, vor allem seinen Humor. Was, Donald hat gesagt, er könne jeder Frau an die Pussy fassen – ja, soll er etwa lügen?

Freilich hat sie vielen Frauen eine Fähigkeit voraus: Sie versteht nicht alles und kann sich noch weniger ausdrücken. Folglich geht sie immer davon aus, dass Donald einen Witz gemacht hat, z.B. auch, als er einmal versehentlich eine Bodenvase nach ihr warf. In ihrer Ehe gab es auch noch nie Diskussionen – wie denn auch? Anweisungen lässt Donald aus irgendeiner Etage gern von der Tochter, seinem Nesthäkchen Ivanka, übermitteln.

Melania begegnet ihrem Mann manchmal wochenlang nicht, selbst dann nicht, wenn er den Beischlaf vollzieht. Die meisten Wessi-Frauen wären unter diesen Bedingungen längst ins Frauenhaus geflohen oder hätten in Unter deutschen Dächern mit verstellter Stimme ihr Schicksal beklagt.

Nach Nancy und Ronald Reagan wirkte kein Präsidenten-Paar so harmonisch wie die Trumps. Verglichen mit Nancy hat Melania allerdings ein Manko: Sie bäckt keine Kekse. Nancy war eine begnadete Keksebäckerin, und das nicht zu sein ist in den USA, als würde man zu Thanksgiving Grützwurst auf den Tisch bringen. Melania weiß um diesen Nachteil. Andere Weiber würden jetzt vielleicht so tun, als könnten sie Kekse backen. Die stolze Slowenin aber denkt nicht daran. So wie ihr Ehemann ja auch nicht daran denkt, irgendwelche Konventionen zu erfüllen – ein Traumpaar.

Man hat ihr angetragen, sich, wie jede Präsidentengattin das tat, eine schöne Krankheit zu suchen, für die sie sich sozial engagieren kann. Sie wollte erst nicht. Dann aber hörte sie von Cybermobbing und wie schrecklich es die Menschen entstellt. Noch weiß sie nicht, was das ist, nur dass Viren im Spiel sind, doch sie weiß schon eines – das muss aufhören!

Dennoch – sie wird in erster Linie die Hausfrau im Trump-Tower sein und immer für volle Kühltruhen sorgen. Ansonsten mischt sie sich nicht ein. Donald hat sie gebeten, nicht am Atomkoffer herumzuspielen, sie hofft aber, dass er nicht nachts auf den Knopf drückt, wenn der Junge schläft (der muss ja früh raus). Mit dieser »Arbeitsteilung« – ganz Frau, ganz Mutter – will sie nicht nur den Amerikanerinnen, auch den Frauen in der arabischen Welt zeigen, wie schön es ist, Hausfrau und Dienerin in einer Großfamilie zu sein.

Aber auch Melania ist nicht frei von Sorgen. Aktuell ist es die Sorge um den Sohnemann, der muss die Schule wechseln und ganz neue Freunde finden. Melania weiß, wie schwer das ist – sie war ja einst auch ganz allein in einem fremden Land auf der Jagd nach Gucci-Taschen und Tiffany-Halsketten. Ihre Lebensgeschichte gehört schon jetzt nach Hollywood oder mindestens zu Markus Lanz.

Noch ein Wort zu Stieftochter Ivanka. Während ansonsten die großen Linien der Politik des Präsidenten absolut transparent sind, und die Völker der Welt Vertrauen fassen, ist die Frage, in welchem Dresscode Ivanka in die Sicherheitspolitik des Weißen Hauses eingreifen wird, noch nicht entschieden. Melania weiß nur eines – sollte »das Biest«, wie sie Ivanka liebevoll nennt, auf dem Fußabtreter vor ihrer Wohnung stehen, wird sie diese nicht zurückweisen und deren Mutter nicht »alte Hure« nennen. Ein Vorsatz, der hoffen lässt.

In ihrer Heimat Sevnica ist man jetzt schon mächtig stolz auf Melania. Ihr Bild klebt an Marmeladengläsern und Grützwurstdosen. Es wird nicht leicht, auch die Herzen der Amerikaner zu gewinnen, aber Melania wird kämpfen wie immer in ihrem Leben, und dabei wird sie verdammt heiß aussehen.

Felice von Senkbeil
Zeichnung: Frank Hoppmann

 

Kommentare 

 
#1 Sandor Böhme 2017-01-26 17:06
Bei diesem Beitrag wäre ich nicht verwundert, wenn in Ihrer Zeitschrift unter der Rubrik "Unsere Besten" demnächst ein Artikel über Donald Trumps Sohn Barron erscheinen würde. In der "Bunte" gab es neulich zu diesem Thema schon etwas zu lesen, wobei der satirische Aspekt zugegebenermaße n etwas zu kurz kam. Dafür aber war dieser Beitrag um so bierernster.
Zitat
 

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