Er will es doch auch – aus Heft 11/2016

Er will es doch auchJung, urban, bunt, mit einer Prise der gesellschaftlichen Vorstellungen von 1950 – so wünscht sich die CDU ihre Mitglieder. Aber die Basis tut sich schwer mit diesem Anforderungsprofil: Schnell mit dem SUV zum Biomarkt fahren, einen glutenfreien Rettich für die vegane transsexuelle Afro-Inuit-Gattin und das laktoseintolerante Adoptivkind aus Neuschwabenland kaufen, bevor man wieder aus Furcht vor einer Invasion des russischen Bolschewismus am heimischen Luftschutzbunker weiter werkelt – viele fühlen sich von solch einem Lebensstil überfordert. Das zu ändern ist die Aufgabe des CDU-Generalsekretärs Dr. Peter Tauber. Er versprüht jugendlichen Charme, hört die Sportfreunde Stiller genauso gern wie die erste Strophe der Nationalhymne und sieht für einen CDU-Politiker unverschämt mittelmäßig aus! Doch wie tickt der Mann genau?

Über Peter Tauber gibt es viel Interessantes zu berichten. Er wird irgendwann irgendwo geboren, rasiert sich die Haare ab, tritt in die CDU ein und hat vom vielen Joggen einen knackigen Poppes, mit dem man politische Gegner knacken könnte (Wikipedia). Klar, dass so einer der Kanzlerin auffällt, die sich bekanntlich gern mit attraktiven Männern umgibt (George Clooney, Peter Altmaier).

Tauber scharwenzelt ständig um Merkel herum. Als sich der junge Abgeordnete (damals zarte 39 Jahre) in der Bundestagskantine vor ihr bückt, hält Merkel den politischen Druck nicht mehr aus. Sie stellt sich hinter ihn und macht ein linkisches Kompliment über den imposanten Gipfel, an den sie ständig denken muss. Peter Tauber errötet. Eine Schmeichelei von der Kanzlerin persönlich. Das wird sein Ansehen bei den Kollegen stärken. Er kauft sich die gleiche Hornbrille wie Guttenberg, um IHR noch mehr zu gefallen.

Die Kanzlerin goutiert das. Sie krault ihm gelegentlich beiläufig das Brusthaar, wenn sie mit ihm spricht, schaut ihm tief – geradezu konservatief – in die Augen oder speichelt ihr Taschentuch ein, um ihm mütterlich den Echauffierungssabber aus den Mundwinkeln zu wischen.
Peter Tauber ist im Zirkel der Macht angekommen.

Nach einem von vielen langen Vier-Augen- Gesprächen ist klar: Angela Merkel kann Tauber gut gebrauchen. Und in der Partei bekommt er auch ein Amt als Merkels persönlicher Generalsekretär – eine unbeliebte Aufgabe zwar, der viele das Auslutschen eines vereiterten Atheroms vorziehen würden. Aber Merkel hat kein schlechtes Gewissen. Zwar lehnt der junge Abgeordnete die neue Stelle erst vehement ab, aber Merkel weiß, dass bei diesen jungen Dingern »nein« oft »ja« heißt. Tauber will es doch schließlich auch! Er möchte sich beweisen, zeigen, dass das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird, gerechtfertigt ist. Doch wie soll er eine Partei hipsterisieren, die in ihrem Kern aus Kukident und der Angst vor Wolfgang Schäubles Mundgeruch zusammengehalten wird? Als erstes legt er ein Programm auf, nachdem jedes Parteimitglied bis 2030 E-Mail-Anhänge können soll und ohne Hilfestellung VHS-Rekorder programmieren kann.

Doch die CDU soll noch viel moderner mit ihm werden, das ist er dieser Wahnsinnsfrau schließlich schuldig.Tauber hat einen Plan. Er will die Sache aussitzen wie die große Meisterin selbst. Früher, ja früher, als er noch jünger war, als er jetzt schon ist, da wäre er vielleicht brutaler vorgegangen. Wie mit dieser Schrapnelle von Geschäftsführerin im Main-Kinzig-Kreis, die sie jahrelang fertiggemacht hatten. Die Alte war ihnen, einem Kreis von jungen hoffnungsvollen Sackgesichtern, frech geworden. Dafür musste sie einstecken: Juckpulver, Furzkissen, betriebliche Altersvorsorge – das volle Mobbing-Programm eben. So könnte man auch jetzt noch jeden aus der Partei ekeln, der 2016 noch einen Gamsbart am Hut trägt und so der geliebten Kanzlerin die Umfragewerte versaut.

Aber das ist nicht mehr Taubers Stil. Er wartet lieber mit viel Geduld auf eine gute Gelegenheit. In den Jahren 2013 bis 2016 kann man ihn darum kaum wahrnehmen. Blass sitzt er im Hintergrund der Christsozialen. Wenige sehen eine dürre Gestalt durch den Berliner Tiergarten joggen. Er ist jetzt einer von den Großen, ein Erwachsener. Der auch mal sagt, wenn was so gar nicht geht. Wie zum Beispiel beim Problem dieser Jenna Behrends, der Berliner Abgeordneten, die sagte, dass der scheidende Berliner Innenminister Frank Henkel gesagt habe, sie, Jenna Behrends, sei eine große süße Maus. Außerdem habe ihr Peter Tauber gesagt, dass Frank Henkel ihn gefragt habe, ob er, Tauber, sie ficke.

Einerseits eine Karriere in der CDU anstreben, aber andererseits nicht sexuell belästigt werden wollen – verstehe einer die Weiber, möchte man meinen. Aber Peter Tauber meint das eben nicht! Er begrüßte sogar die Sexismus-Debatte im Sinne einer neumodischen CDU mit Chai-Latte, Yoga und ohne Vergewaltigungen auf den Toiletten im Konrad-Adenauer-Haus mit den Worten: »Geschichten wie diese bekomme ich immer wieder geschildert. Aber ohne Nennung von Namen.« Und: »Umso wichtiger, dass es nun diese Debatte gibt.«

Und die wichtige Debatte unter Nennung von Namen wurde wie von Tauber gewünscht fortgesetzt. Es wurden Stimmen laut, die besagten, dass Jenna Behrends gesagt hätte, sie habe was Sexuelles mit Tauber gehabt. In einem weiteren wichtigen Debattenbeitrag gab Peter Tauber eine eidesstattliche Erklärung ab, wonach er mit Jenna Behrends nur geflirtet habe, und ließ mit seiner gut geölten Fistelstimme staatsmännisch verlauten: »Aber für mich war recht schnell klar, dass es rein freundschaftlich bleibt.«

Damit hat Peter Tauber nicht nur gekonnt die Sexismus-Debatte beendet, sondern seine Partei mir nichts dir nichts bis zur Pubertät verjüngt.
Dafür dürfte er sogar von Angela Merkel einen anerkennenden Klaps auf den Hintern bekommen. Man darf sicher sein, dass sich der junge Herr Generalsekretär kichernd abwen den und der Kanzlerin keck zuzwinkern wird. Und warum sollte man sich dann eigentlich nicht fragen:
Sag mal, fickt die den?

Andreas Koristka

 

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