Nazis unter Palmen – aus Heft 11/2016

Lutz Bachmann sitzt fest im Sattel. Sein Muli folgt ihm aufs Wort, manchmal nickt es sogar zustimmend mit dem Kopf, wenn er etwas sagt. Zu Maultieren hatte der Pegida-Chef schon immer einen guten Draht.

Gemütlich reitet er über das Straßenpflaster von Santa Cruz de Tenerife. »Alles topfeben«, schwärmt er, »weit und breit kein Stolperstein.« Bachmann hat es nicht eilig, er und sein Muli halten sich streng an das kanarische Tempolimit. »Rechts überholt wird nur zu Hause«, sagt er in unbeschwertem Führer-Slang. Die Stim me klingt noch etwas heiser vom Auf marsch in Dresden am Tag der Deutschen Einheit, wo sie es der Asylkanzlerin mal wieder so richtig gegeben haben (»Fotze!«).

Äußerlich sieht man ihm die Strapazen nicht an, bis auf ein paar Hassfältchen. Die spanische Sonne bewirkt selbst bei Hackfressen wahre Wunder. Sogar die frisch ausrasierten Schläfen seines Himmler-Undercuts haben Farbe abbekommen. Der braune Teint steht ihm.

Seit einem halben Jahr lebt Bachmann auf Teneriffa. Nach Ex-NPD-Chef Holger Apfel ist er schon der zweite Bilderbuch-Patriot, der Deutschland den Rücken kehrt. Noch ist unklar, was die Vaterlandsverräter antreibt: Ist es die Flucht vor der kalten Jahreszeit? Mit Väterchen Frost stand Deutschlands Rechte bekanntlich schon immer auf Kriegsfuß, Stichwort: Stalingradmemmen. Oder wollen sie im Süden ein fach nur neuen Lebensraum erschließen?

Bachmann ist die ewigen Rechtfertigungen leid. Seit Tatjana Festerling seine Republikflucht in einem internationalen Hassforum (»Facebook «) publik gemacht hat, muss er sich ständig erklären. Zwischen ihm und seiner einstigen Mitstreiterin tobt deswegen ein Rosenkrieg. »Das ist ganz schlechter Stil von ihr«, schimpft Bachmann. »Wo ich wohne, geht niemanden etwas an. Ich würde schließlich auch nie rumerzählen, womit die Tatjana ihr Geld verdient und warum man sie in der Bondage-Szene Fisterling nennt. Die soll mal schön die Lügenfresse halten.« Er ist so in Rage, dass ihn vor Schreck das Muli abwirft.

Bachmann bittet um Verzeihung. Seit er so viel Zeit auf Teneriffa verbringt, gehe mit ihm hin und wieder das südländische Temperament durch. Er müsse aufpassen, sagt er selbstkritisch. »Nicht, dass ich demnächst noch Frauen antanze oder Kinder aufesse.«

Der 1973 geborene Überzeugungsdresdner hat schon früh Auslandserfahrungen gesam melt. Direkt nach der Wende ver brach te der junge Bachi, wie ihn Freunde, die es nie gab, damals nann ten, zwei Wochen in den Masuren als Au-pair-Mädchen. Als ihm die linksversiffte Polizei wegen Drogenhandels auf den Fersen war, entdeckte er 2008 sein Faible für Südafrika, wo er sich, wie er in Interviews stets hervorhebt, von Anfang an um Integration bemüht habe und aus eigener Initiative an Sprach-, Buschtrommelund Kannibalismus-Kursen teilnahm. »Dieses Engagement wünsche ich mir auch von unseren Flüchtlingen, bevor wir sie auf ein Südseeatoll abschieben.«

Bachmanns kleine Finca liegt unweit der teneriffaschistischen Küste. Neben der Veranda weht friedlich die Reichsflagge, im Garten sprießen Steckrüben und Sauerkraut. »Das Wichtigste ist, dass man sich treu bleibt. Und ich werde unabhängig vom Wohnort immer der Lutz aus Deutschland bleiben«, sagt Bachmann und lässt sich furzend in die Obi-Hängematte fallen. Auf der Nachbarterrasse grüßt ein Eingeborener:
»¡Hola, señor Luiz!« – mit spanischem Lispel-S am Ende. »Lutz!«, donnert es zurück. »Ich heiße Lutz, du Eselficker! Mit TZ wie Bartzelona!« Keine Frage: Der Auswanderer bekennt sich zu seinem Deutschsein. Seine Espadrilles nennt er Pantoffeln, und wenn er Lust auf Sangria hat, bestellt er Eintopf.

Alle zwei Wochen nimmt Bachmann den Flieger nach Dresden zur Montagsdemo. Weil’s friedlicher klingt, spricht er lieber vom Abendspaziergang. Aus demselben Grund bezeichnet er das Unternehmen Barbarossa als Trekkingausflug.

Wegen der Teneriffa-Debatte hat Bachmann Ende September die Vertrauensfrage gestellt. Von den rund zweitausend Pedigisten erhielt er nur eine einzige Gegenstimme, die allerdings nicht zählt, weil der Querulant seit der Akklamation spurlos verschwunden ist. »Ein tragischer Fall«, sagt Bachmann, »vermutlich von einem Flüchtlingsmob gelyncht.«

Wenige hundert Meilen nordöstlich hat sich Kamerad Apfel auf der deutschesten aller Inseln breitgemacht. Vor zweieinhalb Jahren eröffnetet der einstige Schönling der NPD – man nannte ihn wegen seines Apfelpos auch den braunen Brad (Pitt) – am Strand von Palma de Mallorca eine Bierstube. Der Guide Michelin weist sie in seiner jüngsten Ausgabe als »geschmackvollen Mix aus Goldener Handschuh und Dixi-Klo« aus. Früher verkehrte Apfel mit deutschen Schlägern, heute spielt er nur noch deutsche Schlager. Bachmann wollte schon ein paarmal auf ein schnelles Bier zum Holger rüber galoppieren, doch sein Muli scheut sich vor dem Wasser. Bachmann seufzt: »Wären doch alle Südländer so wasserscheu.«

Während er sich auf seiner Hängematte in Hassphantasien hineinsteigert, in denen Tatjana Festerling und ein Rottweiler vorkommen, bleibt eine Gruppe Japaner vor seinem Anwesen stehen und zückt die Fotoapparate. Als er sich auf Teneriffa anmeldete, hatten nicht wenige auf der Insel prophezeit, einer wie Bachmann würde dem Tourismus schaden. Das Gegenteil sei eingetreten.

»Viele Besucher kommen nicht trotz, sondern wegen mir nach Teneriffa. Das ist wie beim Tsunami, da reisten plötzlich auch alle zu den Fidschis, um sich ein Bild zu machen.« Ein Touri mit Blähbauch unterm Deutschlandtrikot kommt des Weges und wirft ihm über den Zaun einen freundlichen Hitlergruß zu. Bachmann wirft freundlich zurück.

Er genießt sein Leben zwischen »Kanaken und Kanaren« momentan in vollen Zügen: »Das ist die ideale Hass-Life-Balance.« Auf der anderen Seite weiß er aber natürlich um die enorme Verantwortung, die auf ihm lastet: Er ist der Kopf von Pegida, der Spiritus Rektum. Ohne ihn wäre die Bewegung ein stumpfes Schwert, ein Sack ohne Eier. Ihrem wichtigsten Stichwortgeber verdankt sie bachmannpreiswürdige Geistesblitze wie »Haut ab!«, »Viehzeug«, »Gelumpe« oder »Lügenpresse«, wobei bei der letzten Wortschöpfung noch das Urteil im Urheberrechtsstreit mit den Goebbels-Nachkommen abzuwarten ist.

»Wer glaubt, ich würde hier nur abhängen, hat sich geschnitten«, sagt Bachmann, als er aus einem Nickerchen in seiner Hängematte erwacht. »Wie lange war ich eigentlich weg?« Es ist dunkel geworden, doch die Ideen sprudeln nur so aus ihm heraus. Die brisanteste davon: ein spanischer Pegida-Ableger. Bachmann hat auch schon einen Namen dafür: PAELLA, was so viel heißt wie: PAtrioten ErhoLen sich zum wohLe des Abendlandes.

Florian Kech

 

Kommentare 

 
#1 Mirko Mmtdiewurst 2016-11-14 11:19
was soll dieser Beitrag? Satire sieht anders aus ...
Zitat
 

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