Die Radiopredigt – aus Heft 07/2016

Liebe Hörerinnen und Hörer zu Hause an den Endgeräten, gesegneten Sonntag! Ich möchte heute mit Ihnen sprechen über eine Zeile aus einem Lied, das dieser Tage unversehens und hurtig im Äther auf Radiowellen mir zuflog, wie dem Propheten Petrus die Taube, und die mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf geht:
»Isch ficke Deine Mudda, weil isch misch dabei gut fühle.« Verfasst hat sie der unter jungen Leuten mit Migrationshintergrund weithin bekannte Künstler Farid Bang.

»Ich ficke deine Mudda, weil isch misch dabei gut fühle« – eine kurze und klare Botschaft von verblüffender Lakonie! Ein Handlungsmotiv wird mitgeteilt (»weil ich mich dabei gut fühle«) und wir können uns, liebe Gemeinde, angeregt durch diese Zeile fragen: Trägt uns allein unser Glaube auf die Höhen und in die Täler unseres irdischen Daseins – oder wollen vielleicht auch wir gelegentlich deine Mudda ficken, damit wir uns dabei gut, damit wir uns vielleicht besser fühlen?

Freilich, einige werden diesen Vers, es handelt sich ja hier sozusagen um Dichterwort, als befremdlich empfinden, ist er doch ein unguter Ausdruck des Hedonismus in unserer Zeit. Immer geht es nur ums ICH, nie um den Menschen neben dir, der vielleicht Trost und Hilfe braucht, und immer geht es nur um das »Sich-gut- Fühlen« – essen, shoppen, im Internet »unterwegs sein«, Party machen und eben deine Mudda ficken – ist das schon alles im Leben? Fehlt da nicht ein Sinn, den allein wir in der Liebe zu Jesu, den allein wir im Glauben zu finden vermögen?

Andere werden sich sogar beleidigt fühlen. Die Drohung, deine Mudda gefickt zu bekommen, gilt unter unseren Freunden aus überwiegend muslimisch geprägten Herkunftsländern als unfein. Vielleicht sind sie da, ethnisch bedingt, etwas überempfindlich. Und doch mutet das Wort von deiner gefickten Mudda fast so übel an, als würde man einem Christenmenschen zurufen: Ich verführe deine Frau, Handlungen an ihrem Geschlecht zuzulassen, und du weißt nichts davon. In beiden Formulierungen wird die Mudda, die Frau an sich zum Objekt gemacht, an dem man sich beliebig vergreifen kann. Aber ist das wirklich so? Die vielen Millionärinnen, Politikerinnen, die weiblichen Dax-Vorstände und zahllose erfolgreiche Leiharbeiterinnen und Lidl-Kassiererinnen in unserem Land werden jetzt antworten, liebe Gemeinde: Nein, da sind wir längst drüber hinweg. Gott sei’s gedankt!

Aber üben wir uns auch in christlicher Toleranz! Jesus Christus – zürnte er etwa dem Heiligen Geist, weil dieser deine Mudda Maria gefickt hat, oder Gottvater, weil der das Ganze sozusagen arrangiert hatte?

Keineswegs, vielmehr war er gut Freund mit den beiden, war sich mit ihnen einig darüber, dass das Ganze so in der Ordnung sei, so einig, dass man von den dreien noch heute als von einem »heiligen flotten Dreier« spricht. So gesehen muss »Isch ficke Deine Mudda« mitnichten dazu angetan sein, Spannungen zu verschärfen und Gräben zu vertiefen. Ja, dieser leichtfüßige Vers kann auch versöhnen, über kulturelle, rassische und religiöse Grenzen hinweg verbinden.

Verteufeln wir auch nicht die kleinen Freuden auf Erden, von denen Jesus zu lieben freilich die schönste ist. Aber auch deine Mudda zu ficken, ist vielleicht nicht ganz übel. Wir kennen Arbeit und Feste, Arbeits- und Feiertage. Wie oft vergessen wir in des Tages beschwerlichem Einerlei unsere Seele, nehmen ihr die Chance, sich auch einmal »gut da bei« zu fühlen! Das muss ja gar nichts Großes, Spektakuläres sein, kein Bungeejumping und kein Ganzkörpertattoo! Manchmal reicht es einfach schon aus, deine Mudda zu ficken.
In diesem Sinne, einen schönen Sonntag. Und jetzt alle: Amen.

Gaston Latz

 

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