Man muss auch …

… gönnen können! Ich schätze Herrn Kehlmann sehr. Er hat »D. Kehlmann’s Notreparatur« (Gas- Wasser-Scheiße) in der Stuckstraße, gleich bei mir um die Ecke, und als bei mir mal eins von den dreien am Dampfen war, hat er die Sache geregelt. Dass er jetzt einen Preis bekommen soll, gönne ich ihm allein schon aus diesem Grunde.

Nur die Begründung verunsichert mich ein wenig. Er bekommt ihn, las ich in der Welt, »für seine virtuose Beherrschung der deutschen Sprache, wie für seine subtile Analyse der deutschen Vergangenheit und Gegenwart«.

Ja, als ich ihm ein wenig über die Schulter schaute, sagte er wunderbar treffende Worte (»Gleich haben wir die ganze Kacke auf die Fliesen« oder – wenn es knifflig wurde: »Das ist ja wie die Vermessung der Welt«), die man natürlich nur formulieren kann, wenn man das Problem in seiner Genese und seiner aktuellen Gestalt geistig durchdrungen hat. Aber richtig aufgefallen war mir das damals noch nicht. Erst die Nachricht, dass der olle Zausel preiswürdig ist, hat mir die Augen geöffnet.

Es ist übrigens der »Schirrmacher-Preis«. Der leider viel zu früh verstorbene Schirrmacher hatte immer einen tollen Spruch zur Hand – zur Überalterung, zur Computersucht und zum allgemeinen Weltuntergang. Für einen Postboten durchaus eine ungewöhnliche Begabung! In unserem Aufgang nannten ihn alle nur Fränki. Und der Fränki soll so viel Geld hinterlassen haben, dass man jedes Jahr 20 000 Euro für einen wie D. Kehlmann locker machen kann?

Man müsste, um das Rätsel zu lösen, einen gewissen Herrn Steinmeier fragen, der die Laudatio auf Kehlmann hält. Aber den wiederum kennt kein Aas.

Atze Svoboda

 

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