Cristiano Ronaldo …

… ist nicht zu beneiden. Klar, er ist Europameister, Champions-League-Sieger, er wird wahrscheinlich auch nächstes Jahr wieder spanischer Meister mit Real Madrid, und sogar ich muss zugeben: Er macht einen recht durchtrainierten Eindruck. Aber wenn er in ein Stadion einfläuft, wird er von allen, die kein Ronaldo-Trikot tragen, und das ist oft fast die Hälfte der Zuschauer, gnadenlos ausgepfiffen.

Das war zwar schon früher so, doch da ging es um sein gockelhaftes Gehabe und das Fordern Gelber Karten für langsamere Gegenspieler. Schuld an den aktuellen Pfeifkonzerten aber sind die Medien, die die sogenannten Football-Leaks öffentlich gemacht haben. Unter anderem kam heraus: Ronaldo verdient für ein sechsstündiges Fotoshooting für einen Autohersteller zwei Millionen Euro. Summen, von denen jemand nur träumen kann, der wie ich nebenbei als Handmodel tätig ist.

Bisher dachte man, ein Spielerwechsel beim Fußball läuft folgendermaßen ab: Der Vereinsvorstand und der Trainer setzen sich zusammen, diskutieren über den aktuellen Kader und kommen zu dem Schluss: Wir brauchen einen neuen Innenverteidiger. Dann muss der Kassenwart nachsehen, wie viel Geld nach Abzug der laufenden Kosten – für z.B. Benzin für den Rasenmäher, Waschmittel für die Eckfahnen usw. – von den Mitgliedsbeiträgen und Zuschauereinnahmen übrig ist, und schließlich tritt man an geeignete Kandidaten heran, um ihnen ein Angebot zu machen. – Weit gefehlt! In Wahrheit, so kam jetzt raus, haben da oft Sponsoren ihre Finger im Spiel. Sie beeinflussen Spielerwechsel und Mannschaftsaufstellungen, und das – man stelle sich das mal vor! – ohne fachliche Expertise, sondern einfach nur weil sie das Geld haben.

In manchen fußballerischen Belangen sollen regelrecht kapitalistische Zustände herrschen – mitten in Europa! Verständlich, dass die Kollegen vom Spiegel, die hierzulande für die Veröffentlichung dieses Skandals verantwortlich zeichnen, aus allen Wolken fielen.
Ich persönlich finde es nicht verwerflich, wenn einer, der seinen Job gut macht, auch gut verdient. Was mich aber wirklich schocken würde: Wenn eines Tages rauskommen sollte, dass Fußballer dopen.

Atze Svoboda

 

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