meisterwerke
Meisterwerk

Was dem modernen Menschen das Smartphone-Video ist, war dem alten Römer die erotische Malerei. Doch wo Ersteres keinen Interpretationsspielraum lässt, kann man angesichts des Letzteren seiner Phantasie freien Lauf lassen: Wie kam es z.B. zur Situation, die hier dargestellt wird? Wurde die Rubens - schön heit mit der blonden Helmfrisur von diesem stattlichen Römer angetanzt? Wurde sie mit K.O.-Tropfen gefügig gemacht? – Das Gemälde hilft uns weiter.

Dank der Aufschrift auf seiner Tunika wissen wir, dass es sich bei dem lorbeerbekränzten und vor Glück weinenden Mann um den Analfreund Diokletian (ca. 240 – 312 n.Chr.) handelt, dessen Wappen, der sich steil aufrichtende Pfeil, sich ebenfalls auf der Tunika findet. Wahrscheinlich war es demnach so: Das sogenannte Lex Meck-Pommus, das Diokletian erlassen hatte und immer bei sich trug, erlaubte es ihm, jede Frau, die sich nackt vor ihm auf dem Boden räkelte und lasziv den Allerwertesten entgegenhielt, das linke Knie gegen eben jenes entgegengereckte Körperteil zu stoßen.

Dem Gesichtsausdruck der Dame nach zu urteilen, war ihr das Lex Meck-Pommus nicht geläufig. Auch wenn bei all der Masse ihres beachtlichen Hinterteils nur schwer vorstellbar ist, dass sie den Kniestoß überhaupt spürte, so war das Überraschungsmoment zweifellos auf der Seite des Kaisers. Bemerkenswert auch: Angesichts des schnell wachsenden Schwellkörpers in der linken Armbeuge des Kaisers (vermutlich ein entzündetes Atherom) fängt die Frisur der Frau spontan an zu schwitzen. – Andere Zeiten, andere Sitten!

Folgenlos wird die Begegnung jedoch nicht sein. Die Geschichtsbücher wissen:

Neun Monate danach wird die Frau ein Kind zur Welt bringen, eine fürchterliche Missgeburt, die die inhaltlose Machtgier der Mutter und den schamlosen Rassismus des Vaters vereinen und auf den Namen Markus Söderus hören wird. – Es war das Ende des römischen Reiches.

G.-L. Lohfink 

 

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