Lebt eigentlich Peter Ramsauer noch?

Ja, kürzlich hatte er eine Schlagzeile. Wer meint, Ramsauer sei nichts mehr, seit Seehofer ihn, den Verkehrsminister, aus dem Verkehr gezogen hat, der irrt. Ramsauer ist Hinterbänkler und reist z.B. an der Seite des Wirtschaftsministers gern in die Welt hinaus. Neulich nach Griechenland zum dortigen Ministerpräsidenten. Seine herausragende politische Stellung bei dieser Visite muss man sich so vorstellen, wie sie Die Zeit beschreibt: »Als Gabriel bei Tsipras auf dem Sofa sitzt, hatte sich Ramsauer im Hintergrund in den Pulk der Fotografen gemischt, um einen Blick auf den griechischen Ministerpräsidenten und den SPD-Chef zu erhaschen.« Und als die Reste vom Imbiss rausgetragen wurden, hat er sich wahrscheinlich ein von Gabriel angebissenes Brötchen erhascht.

Dabei, so Die Zeit, kam es »zwischen dem CSU-Politiker und einem griechischen Fotografen zu einem Körperkontakt.« Joi! Warum hat Ramsauer, wie neuerdings gesetzlich vorgeschrieben, nicht präzise nein gesagt, als er eine Hand am Po spürte, die nicht die seinige war? Musste er, wie wahrheitswidrig behauptet wird, »Fass mich nicht an, du dreckiger Grieche!« flüstern (denn außer dem vermeintlichen Opfer hat das niemand gehört)?

Ramsauer hat seitdem zahlreiche wortreiche Dementis in die digitale Welt verschickt. Das hilft nicht viel. Denn dem Peter, der noch mehr als dreckige Griechen nur dreckige Russen hasst, traut man die Injurie zu. In einer seiner schriftlichen Rechtfertigungen wird er jedoch sogar zum Opfer: Er habe von dem Schweinejournalisten einen kräftigen, bayerischen »Rippenhaken« empfangen. In diesem Moment muss es Ramsauer gedämmert haben – der Mann ist Deutscher.

Im Live-Gespräch im Deutschlandfunk zertrümmerte der Peter dann das letzte Porzellan: »Dreckiger Grieche« habe er schon deshalb nicht gesagt haben können, weil, als er das nicht sagte, er noch nicht gewusst habe, dass der Mann Deutscher ist. »Dreckiger Grieche« sagt man nämlich zu dreckigen Griechen. Zu Deutschen nur, wenn man sie für dreckige Griechen hält.

Mathias Wedel

 

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