Neiddebatte

Olympia ist für mich die schönste Zeit des Jahres. Jedenfalls in den Jahren, in denen Olympia stattfindet. (Sonst ist es der Talentabend während meines Club-Urlaubs auf den Seychellen.) Bald werde ich wieder zu Hause sitzen und gebannt die atemberaubenden Bilder der Volleyballerinnen, der filigranen Turnerinnen und der Gewichtheberinnen genießen. Ja, Sie haben richtig gelesen. Zu Hause werde ich das tun. Denn dieses Jahr werde ich nicht an den Ort des Geschehens reisen.

Es ist selbstverständlich nicht die Zika-Mücke, die mich von meiner Reise abhält. Als Journalist bin ich schließlich Gefahren gewohnt. Nein, natürlich wäre ich sofort nach Rio gereist, nachdem mich ARD-Sportchef Axel Balkausky anrief. Er ist ein Freund aus alten Tagen und weiß, dass ich in meiner Jugend ein sehr ambitionierter Allroundsportler in den Disziplinen Mikado, Eierlauf und Ultimate Fighting war.

Allzu gern hätte ich meine Einschätzungen zu dieser oder jeder Athletin abgegeben. Hätte verraten, wie sich die ein oder andere Bodenturnerin auf der Matte macht und wie sich große Brüste positiv auf den Auftrieb der Schwimmerinnen auswirken. Hätte, hätte Fackellauf-Kette …

Jetzt ist es anders gekommen. Denn ich möchte kein Teil der Neiddebatte sein, die unlängst aufgekommen ist. Da wurde den Sportexperten Oli Kahn und Mehmet Scholl tatsächlich unterstellt, sie seien die 50 000 Euro Honorar pro Abend nicht wert, die die Öffentlich-Rechtlichen ihnen angeblich aus Gebührengeldern während der Fußball-EM gezahlt hätten. Tagelang wurden die beiden durch den Dreck gezogen, ungeachtet ihrer vorzüglichen Analysen (Packing, Eier).

Ich möchte mich nicht diesem Hass und blankem Neid aussetzen. Jedenfalls dann nicht, wenn ich selbst nur einen Bruchteil von 50 000 Euro bekomme. So wie ich denken jetzt viele Sportexperten. Die Neider haben also nur eines erreicht: schlechteres Fernsehen.

Atze Svoboda

 

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