Liebe Leserin, lieber Leser,

wie viele andere Menschen auch hatte ich nach der Amokfahrt von Münster die große Befürchtung, dass es sich um einen weiteren Fall von Terrorismus handeln könnte. Zum Glück wurde aber schnell Entwarnung gegeben: »Es war kein Anschlag«, erklärte uns zum Beispiel eine sichtlich erleichterte Caren Miosga in den Tagesthemen, denn: »Der Täter war deutscher Staatsbürger «. Puh, das war ja gerade noch einmal gut gegangen! Doch bei aller Freude darüber – ein paar kritische Worte muss ich an dieser Stelle verlieren. Haben wir Deutsche es denn wirklich nötig, uns bei unseren Massenmorden von irgendwelchen Islamisten inspirieren zu lassen? Ich meine nein. Wer mit dem Auto in eine Menschenmenge fährt, kann eigentlich auch gleich mit einem Krummsäbel in der Gegend herumschnippeln. Ein korrekter Amoklauf nach westlichen Qualitätsstandards findet dagegen ausschließlich mit der Pumpgun, dem Scharfschützengewehr oder dem Küchenmesser statt. Ich fordere hiermit alle potenziellen Amokläufer auf, sich an diese Vorgaben zu halten, um ähnliche Missverständnisse in Zukunft von vornherein zu vermeiden.

Grundsätzlich bin ich keinesfalls ein Gegner moderner Medien. Ganz im Gegenteil verdanke ich ihnen sehr viel: So konnte ich vor einigen Jahren beispielsweise meine Spielschulden begleichen, indem ich meine Tochter auf Ebay verkauft habe, und mein Weltrekord für die längste unterbrechungsfreie Youporn-Session hat mir zu immerwährendem Ruhm und Respekt verholfen. Aber mit dem aktuellen Trend »E-Sport« (siehe Seite 44) kann ich wirklich gar nichts anfangen. Ich halte es einfach für eine ganz schlechte Entwicklung, dass Jugendliche ihre Freizeit nur noch mit elektronischer Hilfe gestalten. Das war bei uns damals ganz anders: Wir haben noch richtigen Sport getrieben, an echten Schachbrettern! Und wenn wir doch mal einfach nur vor einem Bildschirm saßen, dann benutzten wir dabei einen rein mechanisch angetriebenen Videorekorder; darauf haben unsere Eltern streng geachtet. Aber ich sehe natürlich ein, dass sich das Rad der Zeit nicht zurückdrehen lässt. Darum hier mein Kompromissvorschlag an die jungen Menschen: Könnt ihr nicht wenigstens Gamepads aus Holz benutzen?

Das geplante Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un elektrisiert zurzeit die Weltöffentlichkeit. Entsprechend schießen natürlich auch allerlei Spekulationen ins Kraut. Aber welche davon sind seriös, und was ist nur billige Aufmerksamkeitshascherei? Um das herauszufinden, schaut man sich am besten die Wettquoten an, denn aus denen kann man recht zuverlässig auf die Wahrscheinlichkeit des jeweiligen Szenarios schließen. Während ich diesen Artikel schreibe, bietet ein führendes englisches Wettbüro beispielsweise folgende Wetten an:
• An der Börse explodieren die Kurse für Firmen, die große rote Knöpfe anbieten. (Quote: 1,1) • Nach Veröffentlichung des ersten Fotos, auf dem beide Staatsmänner zu sehen sind, begehen sämtliche Friseure der Welt kollektiv Suizid. (Quote: 1,2) • Es kommt zum Ämtertausch. (Quote: 1,7) • Trump kauft Nordkorea und verwandelt es in einen riesigen Golfplatz, Kim erhält lebenslanges Nutzungsrecht. (Quote: 1,8) • Das Treffen findet in Washington statt, Kim ertrinkt während der Anreise per Zug. (Quote: 2,4) • Es kommt zum Frauentausch. (Quote: 1,8) • Weltfrieden. (Quote: 1000,0) Interessant, oder? Weitere Möglichkeiten erörtern wir auf Seite 42.

Mit spekulativen Grüßen

xxx
Chefredakteur

 

 

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