Skandal im Spa-Bezirk

Von FLORIAN KECH

»Day-o! Day-ay-ay-ay-o!« Jamal reißt die Augen auf. Der Weckruf der Hotelanlage trifft ihn wie eine Frontex-Keule. »Daylight come and me wanna go home.« Benommen eilt er ins Badezimmer, wo ihn eine Bande schwarzer Jugendlicher umzingelt. Sie alle sehen haargenau so aus wie er. Er greift nach dem Dyson Supersonic Haartrockner, um sich gegen sie zu verteidigen, dann fällt ihm ein, dass das Bad de luxe vollverspiegelt ist. »Day! Me say day me say day me say me say day-ay-ay-o!« Sein Herz rast wie ein junger Gepard auf Nahrungsjagd. Er streift den Bademantel über, auf dem vier Sterne aufgestickt sind. Auf dem Weg in den Speisesaal bricht er sich beinahe den Hals, weil er über seine genoppten Einweg-Frottee-Slipper stolpert.

Burkhard Fritsche

»Come, Mister Tally Man, tally me banana.« Der weiße Harry Belafonte heißt ihn zum Frühstücksbuffet willkommen und drückt ihm ein Mikrophon zum Mitsingen in die Hand. Jamal legt das Mikro in die opulente Obstschale und geht weiter. Er kommt zu spät. Die Senegalesen haben wieder das ganze Rührei geplündert. Vom Barbecue ließen sie nur noch einen traurigen Speckstreifen übrig. Verdammte Frühaufsteher, denkt er. Das nächste Mal legt er am Vorabend ein Handtuch über den Chafing-Dish.

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