Jahresrückblick

The Very Rest of 2020

+++ Im Januar umweht die SPD ein Hauch von Nichts. Eine Arbeitsgruppe prüft finanzielle Anreize für betroffene Anwohner von geplanten Windkraftanlagen. Hartz-IV-Empfänger sollen wie gewohnt mit Sachleistungen entschädigt werden, u.a. Windhosen, Luftschlössern und Pustekuchen +++ Im Februar wird unter Klimaskeptikern heiß diskutiert: »Weltweit sind einer aktuellen Analyse zufolge die Ozeane so warm wie nie zuvor seit Beginn der Aufzeichnungen.« – »Ach, diese Datenerfasser kochen doch auch nur mit Meerwasser!« +++ Super-GAU im März: Das Bundesamt für Katastrophenschutz und Bevölkerungshilfe plant ein »Notfallkochbuch« für Krisenzeiten ohne funktionierenden Strom. Erste Ideen von besorgten Bürgern sind bereits in der Behörde eingegangen – per E-Mail +++

Bereits im April kapitulieren die Experten. Sie halten die Pläne der Autoindustrie, im Kampf gegen das Coronavirus die Produktion auf Teile komplexer Beatmungsgeräte umzustellen, für unrealistisch. Die Geschichte verdeutlicht, dass sich das deutsche Ingenieurswesen für den Bau funktionstüchtiger Wunderwaffen nicht eignet +++ Wenig neu macht der Mai: US-Medien spekulieren über einen möglichen Rückkampf zwischen Mike Tyson (53) und Evander Holyfield (57) 23 Jahre nach ihrem letzten Aufeinandertreffen. Trainingsbilder zeigen, wie die beiden zur optimalen Vorbereitung im Gym auf alte Boxsäcke eindreschen +++ Wahr ist im Juni, dass trotz Aufhebung der Reisebeschränkung auf Mallorca die Clubs, Bars und Diskotheken weiterhin geschlossen bleiben. Unwahr ist, dass Jürgen Drews deswegen eine Charity-Single für alle krisengeplagten Ballermann-Stars mit dem Titel »Ein Intensivbett im Kornfeld« plant +++

US-Rapper und Kim-Kardashian-Ehemann Kanye West kündigt im Juli an, für das Amt des amerikanischen Präsidenten zu kandidieren. Beobachter räumen ihm allerdings kaum Siegchancen ein. Wer würde schon einem politikunerfahrenen Unternehmensmilliardär mit Hang zur Egomanie und einer Plastikfrau an seiner Seite seine Stimme geben? Der Mann ist schließlich ein Farbiger +++ Dass die »Querdenker«-Demo in Berlin Ende August hohe Wellen schlägt, können wenige Monate später selbst deren Initiatoren nicht mehr verleugnen +++ Die Sorge, hinter den bekackten Halsschmerzen und dem abgefuckten Dauergerotze, gepaart mit oberverschissenen Fieberschüben und einem gottverfluchten Brummschädel könne die kolossale Arschlochkrankheit hoch drei namens COVID-19 stecken, kann vielen Reiserückkehrern im September genommen werden. Meist haben sich die egomanen Pissflitschen lediglich einen scheißgrippalen Invekt eingefangen +++

Auch im Oktober diesen Jahres mag bei Boris Becker der Groschen nicht fallen, wie es um seine aktuelle Finanzsituation bestellt ist. In einem Interview verkündet er: »Ich verdiene immer noch zwei Mark fünfzig.« +++ Die FDP-Fraktion im nordrhein-westfälischen Landtag regt im Lockdown-light-November eine Win-win-Strategie an, die Personallücken in den Gesundheits- und Ordnungsämtern mit Bediensteten aus dem Gaststättengewerbe zu füllen. Küchenhilfen könnten in den Laboren Reagenzgläser und Petrischalen durchspülen und Kellner den kommunalen Bußgeldstellen Maskenverweigerer auf dem Silbertablett servieren +++ Archäologen graben im Dezember im süditalienischen Pompeji einen antiken Schnellimbiss aus. Den konservierten Essensresten wie Brot, Käse, Tomatensauce und Paprika zufolge stand zum Zeitpunkt des Ascheregens wenig überraschend Pizza Vesuvio auf der Speisetafel +++

Daniel Sibbe

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