Teheran bei Nacht

Ein kleiner Nightlife-Guide

Von GERHARD HENSCHEL

Die Iraner sind als äußerst prüde verschrien, und alle Welt glaubt, dass sie unter der Knute strenger Sittenwächter stünden. Aber stimmt das auch?

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Das zeigt bereits ein kurzer Blick hinter die Kulissen …

Ding dung döng! So macht die Klingel an der Pforte des beliebtesten Teheraner FKK-Clubs, dessen Name sich ungefähr folgendermaßen übersetzen lässt: »Zum heiteren Ayatollah«. Sogleich wird die Tür geöffnet, und eine vollschlanke Gesellschaftsdame bittet die Gäste herein. Sie trägt nur einen Hauch von Satin sowie zwei knallrote Stöckelschuhe. Es duftet nach Patchouli, Rosenöl und Gleitcreme.

Zwischen anzüglichen Skulpturen des persischen Bildhauers Ottokar Mahmoud ibn-Ben Abdullah Farahani al-Urmarwi (850–927) führt ein Gang zur Garderobe. Mit der Geschlechtertrennung nimmt man es hier nicht allzu genau: Männlein und Weiblein entkleiden sich gegenseitig und necken einander mit Kosenamen – zu Deutsch etwa: »Tiger des Frohsinns«, »gurrender Täuberich«, »Wachtel, die zwischen zwei Lilien auffliegt«, »zuckersirupsüße Wüstenblume« oder auch »kompakter Stutenkerl, der das gesamte Zweistromland beherrscht«.

Verhütung ist ein großes Thema im Iran: Die Stellung »Flug des Fasans über bald loderndem Haupt« garantiert folgenlose knisternde Erotik.

Schäkernd und lachend zieht man anschließend ins Brausebad und von dort aus weiter zur großen Spielwiese, wo allen Sinnen etwas geboten wird. Auf zierlichen Beistelltischchen lagern Granatäpfel und dampfende Hammelkeulen, leichtgeschürzte Bedienstete fächeln den Anwesenden mit Pfauenfedern Luft zu oder musizieren auf Bambusflöten und auf Dudelsäcken aus Ziegenhaut, erlesen schöne Hostessen verteilen wohlgefüllte Champagnerkelche …

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