Meisterwerke

Kunst von EULENSPIEGEL-Lesern, gediegen interpretiert

Kurt Heinemann, per E-Mail

Ein ganz normaler Tag außerhalb einer Stadt, deren Hochhäuser aussehen wie eingekerbte Kerzen: Bielefeld. Eine Frau mit vier Fingern geht mit ihrem Panzer spazieren. Den ganzen Morgen hat er schon an der Tür gequengelt, jetzt hat Frauchen ihn angeleint, damit er draußen ein wenig herumtoben und sein Geschäft erledigen kann. Doch dann plötzlich während des Spaziergangs geschieht es: Ein nackter Kobold oder eine nackte Koboldin mit einem monströs großen Gesäß setzt sich der Frau mitten aufs Gesicht.

Eine alltägliche Szene in Nordostwestfalen, die der Künstler mit der nötigen lakonischen Stiftführung ins Bild setzt. Beinahe stündlich, so sagt die Statistik, ereignet sich in und um Bielefeld eine Kobold-Attacke. Seit der versehentlichen Auswilderung einiger Exemplare im Jahr 2007 haben sie sich zum Leidwesen der Bielefelder rasant vermehrt. Geschossen werden dürfen sie nicht, da das Amt für Artenschutz die Kobolde als heimische, wild lebende Art einstuft, die sich mittlerweile sehr erfolgreich reproduziert hat.

Zu erfolgreich, sagen Kritiker, zu denen wir auch den Künstler dieses propagandistischen Machwerks zählen dürfen. Denn ja: Natürlich kommt es hin und wieder vor, dass ein Kobold nackt fremden Menschen ins Gesicht springt, wo er sich für immer festkrallt, und ja: Manche Kobolde klem – men sich einen Schnabel zwischen die Pobacken und malen sich zwei Punkte als Augen auf den Rücken, um ein Gesicht zu imitieren und Freunde und Familie des befallenen Menschen zu täuschen. Doch nicht alle Kobolde sind so. Überhaupt ist der Mensch ja kein Stück besser: Seinen mordenden Panzer, und sei es auch nur ein kleiner Schoß – panzer, Gassi führen, sich aber echauffieren, wenn ein Kobold mal ein wenig Zuneigung benötigt. Doppelmoral, ick hör dir trapsen.

K. Kardashian

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