Ein Anruf bei Verena Bahlsen

Frau Bahlsen, Sie haben sich als Keksfabrikerbin öffentlich als Kapitalistin geoutet und erklärt, von Ihrer Dividende Segelyachten kaufen zu wollen. Was gemeinhin als Skandal gewertet wurde, weil Millionäre üblicherweise eher in Wellblechhütten hausen. Wann ist es denn so weit, dass wir Sie im Kreise der Christlichen Seefahrer begrüßen können?

Sie werden staunen. Ich befinde mich gerade schon auf der »Hermann Bahlsen« in der Karibik. Die 185 Meter lange Yacht habe ich nach meinem Urgroßvater benannt, der in weiser Voraussicht ein Wirtschaftsimperium aufgebaut hat, damit ich es jetzt verjuxen kann. Das habe ich mir einfach verdient.

Und dass Ihr Vermögen nicht zuletzt auf Zwangsarbeit im Dritten Reich gründet, verursacht Ihnen kein schlechtes Gewissen?

Solche Fragen gehen mir auf den Keks! Willy Wonkas Oompa Loompas finden alle niedlich. Da hakt keiner nach, ob die wirklich freiwillig in der Schokoladenfabrik arbeiten. Aber bei ein paar Zwangsarbeitern drehen alle durch. Außerdem ist Arbeit doch immer Zwang. Oder telefonieren Sie gerade freiwillig mit mir? Wenn wir nicht alle für Leute wie mich arbeiten würden, könnte ich mir diese schöne Yacht nicht mehr leisten.

Arbeiten Sie denn selber gerade?

Ja, ich teste einen leckeren Vitalcocktail mit Tamarinde, Rote Bete, Kurkuma und reichlich Wodka. Als Gründerin eines Start-ups für innovative Ernährung bin ich praktisch 25 Stunden am Tag im Arbeitsmodus.

Was sind denn das für Schreie im Hintergrund?

Das ist nichts. Nur mein Bootsmann Jackson, den ich gerade auspeitschen lasse, weil er mir in der Sonne gestanden hat.

Wie grausam!

Grausam? Er kann froh sein, dass ich gerade nicht meine Tage habe. Aber so ein Schiff ist quasi wie die Wirtschaft: Ein Vehikel, das die Gesellschaft nach vorne bringen soll. Damit das funktioniert, müssen diese Kretins jedoch erst mal ein wenig Unterwürfigkeit lernen. Wie soll ich sie aus ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit herausführen, wenn sie mich als Führungspersönlichkeit nicht respektieren? Ich denke jedenfalls, dass …

Frau Bahlsen? (…)

Frau Bahlsen?

Ja, hier bin ich wieder. Dieses undankbare Saupack hat gemeutert und mich im Rettungsboot ausgesetzt.

Dann wünsche ich Ihnen viel Glück, denn der Wetterdienst hat heute für die Karibische See eine Shitstormwarnung herausgegeben.

Sehr lustig.

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